Dispozinsen im Schnitt über 10%: Stiftung Warentest wirft Banken Abzocke vor

Stiftung Warentest wirft Banken Abzocke vor

Stiftung Warentest wirft Banken Abzocke vor

Obwohl Banken bei der Zentralbank Geld zum rekordverdächtig niedrigen Zinssatz von 0,5% leihen können, wird kaum etwas davon an den Verbraucher weitergegeben, beispielsweise, wenn er sein Konto überzieht. Die beklagt Stiftung Warentest, die bundesweit die Überziehungszinsen der Kreditinstitute untersucht hat. Im Schnitt beträgt der Dispozins 11,75%. 120 Banken würden sogar mehr als 13% kassieren, fand die Stiftung heraus. Der Rekordwert läge bei 14,75%, schreibt der Spiegel. Interessanterweise seien die größten Abzocker eher in den ländlichen Regionen zu finden. Die Spannbreite ist dabei sehr groß, der Abstand zwischen der teuersten und der billigsten Bank betrüge mehr als 10 Prozentpunkte, wie die Stiftung ermittelte.


Dispozinsen werden zum Wahlkampfthema

Mittlerweile ist diese Thematik sogar im Wahlkampf angekommen. So fordert der SPD Kanzlerkandidat Peer Steinbrück eine Deckelung der Überziehungszinsen. Martin Blessing, der Chef der Commerzbank lehnt diese Forderung ab, da billiges Geld nur zu einer höheren Verschuldung im Privatkundenbereich führen würde. Stiftung Warentest wiederum kommentierte diese Aussagen mit Häme: Hohe Dispzinsen mit Verbraucherschutz zu begründen, sei ein Thema für die Heute-Show.

Banken verweigerten die Auskunft

Wenig für die Banken sprechen hingegen die Intransparenz, die im Bereich der Dispozinsen herrscht. Viele Kreditinstitute ignorierten die Anfragen von Stiftung Warentest. Oft seien Kreditkonditionen auch auf den Unternehmenswebseiten nicht zu finden. Selbst vor Ort weigerten sich viele Banken Auskunft zu geben – ein klarer Verstoß gegen die Preisangabeverordnung, wie Stiftung Warentest feststellte. Denn diese verpflichte die Banken alle Entgelte für wesentliche Leistungen – und dazu gehören nun einmal die Dispozinsen – öffentlich zu machen.

Die Fronten sind verhärtet

Manfred Götzl, der Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern (GVB) kann hingegen diese Aufregung nicht nachvollziehen. Anstatt sich über die Höhe der Zinsen zu mokieren, solle man eher Aufklärung über den Mechanismus betreiben, der hinter der Preisfindung der Dispozinsen stünde. Ist auch diese Äußerung ein Fall für die Satiresendung „Heute-Show“? Anscheinend klaffen auf dem Gebiet der Dispozinsen die Positionen weit auseinander. Verbraucher und Banken stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Welche Alternativen gibt es zum Dispozins?

Die Verbraucherschützern sollten weiterhin Aufklärung betreiben – und die Verbraucher über Alternativen informieren. Beispielsweise ist ein Ratenkredit um einiges günstiger, als ein Überziehungskredit. Allerdings hängt es von einer Bonitätsauskunft bei der Schufa ab, ob ein Kreditwunsch auch gewährt wird. Schufa-frei sind hingegen Policendarlehen, da der Rückkaufswert einer Lebensversicherung vielen Banken als Sicherheit genügt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>